Genusserlebnis

Wie schon an anderer Stelle erwähnt, ist Sake ein tolles Getränk bei dem der Genuss – oder detaillierter ausgedrückt: der kulinarische Genuss – immer im Vordergrund stehen sollte. Der (kulinarische) Genuss stellt dabei einen wichtigen Bestandteil der Ess- und Trinkkultur dar oder sollte es zumindest. Etwas anders ausgedrückt: Wir als Sake Lovers München e.V. wollen euch den genussvollen Umgang mit Sake näherbringen, euch aber auf keinen Fall zum Trinken animieren.

Doch wie lässt sich der Begriff „Genuss“ in Bezug auf Sake näher spezifizieren? Laut Wikipedia wird Genuss generell wie folgt umschrieben: „Genuss ist eine positive Sinnesempfindung, die mit körperlichem und/oder geistigem Wohlbehagen verbunden ist. Beim Genießen wird mindestens ein Sinnesorgan erregt…Allgemein gelten Kaffee, Tee, Schokolade, Kakao, Tabakwaren und alkoholische Getränke als Genussmittel, bei denen psychotrope Substanzen mehr oder weniger stark am Zustandekommen des Genusserlebnisses beteiligt sind.“

Somit stellt Sake laut Definition (da ein alkoholisches Getränk) grundsätzlich ein Genussmittel dar, welches zu einem Genusserlebnis führen kann. Das können wir glatt so unterstreichen. Allerdings glauben wir auch, dass das Genusserlebnis und insbesondere auch seine Ausprägungen (von schwach bis stark) an weitere Faktoren geknüpft sind.

Das „Genusserlebnis Sake“ kann bspw. zunehmen, wenn Sake im Kreise guter Freunde oder Bekannter genossen wird oder wenn zu einem guten Sake ein gutes und passendes Essen serviert wird. Etwas abstrahierter gefasst kann das Genusserlebnis Sake auch schon dann positiver ausfallen, wenn man sich in einer guten Grundstimmung befindet.

Und welche Faktoren mindern jetzt das Genusserlebnis Sake, stehen also in negativer Korrelation? Dieses kann beispielsweise dann der Fall sein, wenn Sake falsch temperiert serviert, wenn minderwertiger Sake getrunken, wenn Sake mit Eis verwässert oder wenn Sake als Shot getrunken wird. Darüber hinaus kann der Genuss auch leiden, wenn das Sake-Food-Pairing einfach nicht stimmt.

Allerdings ist der Begriff Genusserlebnis auch immer subjektiv behaftet. Das bedeutet, dass nicht automatisch das, was eine Person als Genusserlebnis empfindet auch für eine andere Person gelten muss. Darüber hinaus kann das Genusserlebnis auch eine zeitliche Komponente aufweisen. Dies ist bspw. dann der Fall, wenn wir mit zunehmendem Alter unser Geschmackspräferenzen verändern oder anpassen. Im Übrigen kann das Genusserlebnis auch mit Lerneffekten verbunden sein. Dieses ist bei dem Genuss von Sake, insbesondere in westlichen Gefilden, öfter der Fall, da aufgrund der Besonderheit von Sake die Geschmacksvielfalt und die Aromenspektren erst erkundet und „verstanden“ werden müssen. Wir sprechen hier auch davon, dass man sich in Sake erst einmal „reintrinken“ muss. Außerdem kann das Genusserlebnis Sake auch von Faktoren beeinflusst werden, die man nicht unbedingt sofort auf dem Radar hat. Hierzu zählen unter anderem Jahreszeiten, Temperatur und Wetter (Kan-Sake vs. Reishu), Tageszeit (mittags vs. abends), Lokation (Izakaya vs. Parkbank), Umstände (Business Dinner vs. Urlaubsdinner), Gesellschaftsform (solo vs. in Gesellschaft), Trinkgefäße (Plastikbecher vs. Guinomi) und vieles mehr.

Ok, wir sehen ein, dass es jetzt ein bisschen philosophisch wird, deshalb verlassen wir mal die eher theoretische Ebene und wenden uns mehr der Praktischen zu. Und die Praktische besagt, dass guter Sake solo funktioniert, ein toller Essenbegleiter sein kann und auch als Cocktail Spaß machen kann. Sake kann also in seinen unterschiedlichsten „Ausprägungen“ zu einem Genusserlebnis beitragen.

Interessanterweise stellt sich, wenn es um Sake-Food-Pairing geht, das Genusserlebnis nicht nur dann ein, wenn Nihonshu mit Japanischen Essen gereicht wird. Der „Aberglaube“, dass Japanischer Sake ausschließlich zu Japanischem Essen passt, stellt vielleicht auch eine der größten Hürden für Sake im westlichen Umfeld dar. Oder habt ihr schon einmal Sake in einem italienischen, französischen oder deutschen Restaurant bestellt und getrunken? Und wir reden hier nicht von der Sterne-Gastronomie. Und damit wären wir auch schon beim nächsten Vorurteil, welches induziert, dass Sake, neben der Japanischen Küche, nur noch in der gehobenen Sterne-Gastronomie zu Hause ist. Um es freundlich auszudrücken: Dies ist natürlich völliger Quatsch! Der Aberglaube „Sake & gehobene Sterne-Küche“ rührt wahrscheinlich auch durch eine teilweise Überpreisung von Sake in Europa her – dies ist aber ein anderes Thema.

Erfahrungsbericht Sake und Sternegastronomie: Grundsätzlich kann festgehalten werden, dass Sake in der Sterne-Küche schon eine wichtige Rolle spielen kann, allerdings sollte der Genuss von Sake nicht ausschließlich hierauf beschränkt bleiben. 2017 durften zwei unserer Vorstände am Chefs-Table von Koch-Ikone Gaggan Anand in seinem Restaurant GAGGAN in Bangkok Platz nehmen. Zu diesem Zeitpunkt galt das GAGGAN als das beste Restaurant Asiens, gehörte zu den fünf besten Restaurants in der Welt und war für seine indisch inspirierte Fusion- und Molekularküche bekannt. Interessanterweise hatte einer der Chef-Sommeliers Japanische Wurzeln und war ganz Feuer und Flamme als unser Vereinspräsident ihn fragte, ob die Getränkebegleitung (ursprünglich einmal Sake, ansonsten Wein) auch auf mehr Sake ausgelegt werden könnte. Und natürlich machte das GAGGAN und der Japanische Sommelier seinem Ruf alle Ehre und substituierte drei Weine von der Getränkebegleitung durch Nihonshu, die alle wunderbar mit den Menügängen harmonierten. Genau so stellt man sich die Drei-Sterne Küche vor, mit drei Premiumsake serviert zu einem unvergesslichen, kreativen Dinner.

 

Wir haben Sake schon zu vielen europäischen Speisen probiert (von A wie Auflauf mit Spargel bis Z wie Züricher Geschnetzeltes) und sind der Überzeugung, dass Sake als alkoholische Trinkbegleitung (natürlich in seiner unterschiedlichen Ausprägung) ein absolutes Highlight darstellt, welches sich hinter keinem anderen Getränk verstecken muss. Ganz im Gegenteil, viele europäische (und natürlich auch nicht-europäische) Gerichte gewinnen durch ein Sake-Pairing sogar deutlich hinzu. Wir würden sogar noch einen Schritt weiter gehen und behaupten, dass Nihonshu das alkoholische Getränk Nummer Eins für Food-Pairing ist. Dieses liegt zum einen an der potentiell hohen Komplexität und der breiten Aromenvielfalt von Sake aber auch an dem eher niedrigeren Säuregehalt von Nihonshu. All diese Faktoren sorgen dafür, dass Sake sich als perfekten Essenbegleiter positionieren kann.

TIP: Ihr solltet unbedingt mal Sake zu Pizza, Pasta und Risotto probieren – ein wirklich tolles Geschmackserlebnis. Aber auch Sake mit Burger, Steak und Gegrilltem ist einfach nur lecker. Ein kleiner Geheimtipp stellt auch Nihonshu mit etwas schärferen Essen (bspw. Tex Mex, Thai oder Indisch) dar. Hier sollte allerdings auf eine trockene Sakevariante mit weniger starken Fruchtaromen zurückgegriffen werden. Wenn ihr Fans vom Schweizer Käse-Fondue seid, dann müsst ihr unbedingt mal versuchen, Käse Fondue mit einem Junmai-Sake (anstelle von Wein) zuzubereiten. Der Sake untermauert mit seinen feinen Umamiaromen auf sehr harmonische Weise das kräftige Käsearoma und harmoniert auch sehr gut mit dem Kirschwasser und den anderen Käse-Fondue Zutaten.

 

Weitere Highlights stellen Cocktails mit Sake dar. Sake ist nicht nur ein Tausendsassa, sondern versteht sich auch sehr gut im Zusammenspiel mit vielen anderen alkoholischen Getränken wie Gin, (Frucht-)Likören, Bittern aber auch bspw. Tequila.

Nachfolgend haben wir euch mal drei unserer Lieblingscocktailrezepte Cocktails zusammengestellt. Viel Spaß beim Mixen, Probieren und Genießen.

Lost in Translation: ZUTATEN 4 cl Gin 4 cl Sake (Junmai oder Ginjo) 1 cl Limettensaft 2 cl (Japanischer) Kirschblütensirup ¼ TL Matcha Tee-Pulver 1,5 cl Zuckersirup ANLEITUNGEN Gin, Limettensaft, Kirschblütensirup, Matchapulver und Zuckersirup in einem Shaker auf Eiswürfel kräftig schütten und durch ein Barsieb in ein Becherglas mit Eiswürfeln abseihen. Sake hinzugeben und vorsichtig umrühren. Zum Schluss könnt ihr, wenn ihr mögt, noch ein wenig Mineralwasser dazugeben.

Übrigens der Lost In Translation ist der Lieblingscocktail der Gäste vom Restaurant und unserem Mitglied NANAMI Japanese Taste.
Mehr Informationen zum Lost in Translation und weitere spannende Sake Cocktails findet ihr im Übrigen bei omoxx

Osaka Bramble:  ZUTATEN 1,5 cl Crème dè Mûre (Brombeerlikör) 7 cl Sake (Junmai oder Ginjo) 10 cl Tonicwasser (ein eher trockenes nicht zu süßes) 1 großer Eiswürfel.  ANLEITUNGEN Den Eiswürfel in ein breites Becherglas geben. Dann Crème de Mûre und den Sake dazugeben. Mit Tonic auffüllen und vorsichtig mit einem Barlöffel umrühren.

Der Osaka Bramble wurde durch die Stadt Osaka, welche oft als Küche Japans bezeichnet wird, inspiriert und erhält durch den Crème dè Mûre und das Tonic einen fruchtig spritzigen Charakter. Ein idealer Drink für den Frühling und Sommer.

 

MASAJI:  ZUTATEN 4 cl Gin (gerne Japanischen) 4 cl Sake (Junmai oder Ginjo) 4 cl Matcha-Likör Einige Spritzer Yuzu-Saft (optional) 1 großer Eiswürfel.  ANLEITUNGEN Den Eiswürfel in ein breites Becherglas geben. Dann alle weiteren Zutaten hinzugeben und langsam mit einem Barlöffel umrühren.

Der MASAJI stellt quasi den kleinen japanischen Bruder des italienischen Negroni dar – auch hier werden nur drei Grundzutaten in gleicher Menge verwendet. In diesem Fall ist es Japanischer Gin, Sake und Matcha-Likör. Achtung: Stark.

An dieser Stelle werden wir euch zukünftig mit weiteren spannenden Rezepten und Genusshighlights erfreuen – stay tuned!

 

Anmerkung: Egal ob ihr Sake zu einem wundervollen Essen oder solo genießt, wir raten euch immer dazu, parallel Wasser zu trinken. Im Japanischen wird dieses als Yawaragi Mizu bezeichnet und kann salopp als „linderndes Wasser“ übersetzt werden und soll dem Umstand Rechnung tragen, dass die Aufnahme des Wassers die alkoholische Vergiftung verlangsamt. Darüber hinaus reinigt das Wasser auch den Mund, so dass das Aroma des Essens und/oder der Sake besser zur Geltung kommt. Im Übrigen spielt es eher eine untergeordnete Rolle, ob ihr kohlensäurehaltiges oder stilles Wasser bevorzugt.